Samstag, 16. März 2013

Das Wandern wird des Müllers Lust...

Tag 191 - 196: Adieu Sydney, bis gar nicht mal so bald

Und doch sind wir irgendwie ein wenig traurig - auch wenn wir uns tierisch auf die nächste, letzte, große Reise freuen. Unsere zweite Langzeitperiode in Sydney war wieder mehr als überragend, diese große Stadt voll Wolkenkratzern, Erlebnissen und Goon hat dieses Fleckchen Erde noch ein Stückchen mehr zum wirklichen "Zu Hause" gemacht. Man kennt sich extrem aus, kennt (unserem Gefühl nach zumindest) die aller schönsten Orte und hat sich sein Leben im 6-Bett-Zimmer mehr als heimisch gemacht.
Nagut, ein wenig unordentlicher, riechender und chaotischer ist es vielleicht doch. (:
Aber wir lieben jede Kakerlake, jedes quietschende Bett im Hostel und erst recht die Gemeinschaft, bei der es auch im letzten Monat an nichts gefehlt hat.


In der letzten Woche haben wir nochmal fleißig gearbeitet, alles an Geld mitgenommen, was so mitzunehmen war, schließlich werden wir ja hier nicht mehr arbeiten, ab jetzt geht's nur um noch viel mehr Spaß, Freude und Highlights. Und so sehr uns auch die Zeit im Balmain Backpackers fehlen wird, auf das Teller waschen können wir auch gut verzichten - auch wenn ich hier das 3-4-fache von meinem Lohn in Deutschland bekommen hab. (:

Die letzte Woche hab ich wieder komplett im Olympic Stadium gearbeitet, um dort alle 12 Küchen für die Easter Show vorzubereiten, bei der hier in den nächsten zwei Wochen eine knappe Million Menschen durch die Hallen strömen.
Und auch wenn sieben Tage Küche putzen, Öfen waschen und Böden wischen nicht wirklich spannend klingen, war es doch eine super Abwechslung zum sonstigen Abspülen.


Man beachte im Übrigen all die sauberen Arbeitsflächen, Dunstabzugshauben und Bodenfliesen, die ich in liebevoller Feinstarbeit blitzblank gewischt, geschrubbt und geleckt hab. (:
Somit hatte ich meinen ersten und letzten Job im Sydney Showground, nie wieder diese viel zu warmen Stahlkappenschuhe anziehen, die abartig lustige Kochmütze aufsetzen und nie wieder im Bus oder Laden aufgrund meines Namensschilds angesprochen werden.
Bis auf ein Erinnerung-Shirt liegt der Rest eh schon in einer süßen blauen Tonne am Rande der 677 Darling Street. (;


Und um den endgültigen Abschluss der Arbeit in Australien und das für's Reisen und für Deutschland angesparte Geld zu feiern, haben wir die letzten Tage in Sydney nochmal schön mit Highlights gespickt. Ein denkbar Erwähnenswertes war dabei auf jeden Fall das Laser-Tag-Spiel, ein großer, komplett dunkler Raum und echt viele Verrückte, die sich mit ihren blinkenden Signalwesten hinter Mauern und Fenstern verstecken.
Um am Ende mit einer Laserpistole so viele fremde Signalwesten wie möglich zu treffen. Ein unfassbarer Spaß, ein ganz schön schweißtreibender noch dazu.


Fast noch viel spektakulärer war einer unserer wenigen Einkäufe im Supermarkt, ich habe den letzten Monat wirklich nicht mehr als zwei Supermärkte von innen gesehen, geschweige denn mal wirklich was gekocht.
Auf der Arbeit wird Einem das Essen nur so hinterhergeworfen - und wenn man mal einen Job abbekam, bei dem man nichts mitbringen konnte, haben Benny oder Yannik ein paar Gaumenschmäuse mitgebracht.
Diese Woche mussten auf jeden Fall 10 Liter Milch eingepackt werden, schließlich um 76% reduziert.
Welche zwar am nächsten Tag das Ablaufdatum hatten, aber
"Milch kann man doch einfrieren, oder?"
"Probieren wir's halt."


Nach dem Auftauen flockt die Milch zwar ein bisschen, sieht ein wenig wässrig aus und wirkt auch vom Gesamteindruck her eher räudig, aber wir konnten immerhin die ganze Woche Milchpartys im Hostel schmeißen. (:
Doch vorerst war es das jetzt mit dem Hostelleben, Menschenmengen und Milch im Tiefkühlfach.
Ab morgen geht es wieder los, schließlich gibt es auch außerhalb der Backstein-Kellerwände im Hostel noch schöne Dinge, die man sich in Australien anschauen kann. Weswegen wir uns fortan den Rest des Landes anschauen werden.
Hier mal die grobe Hauptroute unserer Reise...
Wir starten somit munter und fröhlich beim "A" und kommen hoffentlich am Ende wohlerhalten am "I" an.
Der Flug Sydney - Launceston (Tasmania) ist dabei leider nicht enthalten, Google Maps ist leider in Sachen Flugzeug noch nicht gut genug ausgestattet. (:


Alles in Allem werden wir somit knappe 10.000 km in diesem putzigen Land zurücklegen, verrückt, wie weitläufig all das ist. In den nächsten Monaten warten auch aus genau diesem Grunde 8 Flüge auf uns.
Mal eine kurze Zusammenfassung unserer Planung, die sich im Vergleich zur "Wir schauen mal-Vorbereitung" der Reise für die Ostküste schon ein wenig ausgearbeiteter gestaltet.

17.03.13: Sydney - Launceston (Tasmanien)

Sechs Tage durch's Gebirge wandern, Eiseskälte widerstehen, in Bergseen baden uns als wohl unvorbereiteste Wanderer einen der 10 schönsten Wanderwege der ganzen Welt wandern.

27.03.13: Launceston (Tasmanien) - Melbourne

Ein paar Tage Melbourne angucken, mal wieder feiern gehen, Spaß haben und den Tütenwein loben. Und hoffentlich wieder in wärmeren Gefilden hausen.

02.04.13 - 06.04.13: Melbourne bis Melbourne

Wir haben schon gestern mal ein wunderschönes Mietauto gebucht, unsere Karre haben wir ja mittlerweile doch recht gut an Bennys Cousin verscherbelt. Für 2200 gekauft, für 1600 verkauft, pro Person 150 Dollar war uns die Reise mit dem guten Pajero ja wohl auf jeden Fall wert. (:
Auch wenn uns der Abschied nicht so ganz leicht fiel. Mit einem professionell ausgearbeitetem Vertrag auf der Verkleidung eines wunderbaren Goon-Paketes haben wir das Auto an David und Nadja abgegeben, immerhin bleibt es wenigstens teilweise in der Familie.


Jedenfalls fahren wir nun also ab Melbourne mit einem der komplett lustig besprayten Wicked-Campervans rum, für 100 Dollar am Tag zwar kein ganz günstiges Vergnügen, aber so ist Australien eben.


Ob wir nun dieses Auto abbekommen oder eins der Wagen mit Bob Marley&Co auf der Karosserie, ist dann auch noch egal. (:
Mit diesem schmucken Mitauto geht's dann die Great Ocean Road lang, vorbei an wunderschönem Meer und wunderschönen Felsen. Dann durch einen der wohl schönsten National Parks, die unsere Augen je erblickt haben und zurück nach Melbourne. Das sieht dann ungefähr so aus.
Auch wenn man am Ende über die guten 1000 km Weg eher lachen kann, in Australien ist das so gar nichts.


07.04.13 - 09.04.13: Melbourne

Noch ein Stückchen entspannen, vom leider doch sehr kurzen Roadtrip erholen und auf den letzten Stop vorbereiten.

09.04.13: Melbourne - Alice Springs

Auf nach Alice Springs, der Stadt genau in der Mitte des Landes, mitten im Red Center Australiens.
Dort haben wir eine 3-TagesTour am Uluru (früher mal Ayers Rock) gebucht, ein bisschen auf roter Erde zelten, den größten Felsen der Erde anschauen und in einer netten Gruppe Spaß haben.

13.04.13: Alice Springs - Sydney

Und dann war's das wohl auch leider so langsam mit der genialen Zeit hier unten. Nach einer weiteren, wohl erlebnisreichen Woche im Balmain Backpackers geht es für Benny und Yannik direkt nach Hause, während ich noch 3 Wochen Thailand dranhänge. (:
Bis ich dann wohl recht viele von euch herzallerliebsten Menschen ab dem 11.05.13 wiedersehe, im wohl lang nicht so schön warmen und spektakulären Halle. Ein Stückchen Vorfreude ist dennoch inklusive, auch wenn der Wechsel von Australien nach Deutschland momentan eher noch etwas trist und grau wirkt.


Gleich brechen wir zum Flughafen auf, der Flug geht am Sonntag Morgen, eine Nacht im Hostelbett hätte sich da wohl eher nicht gelohnt... Also schlafen wir vollkommen gemütlich am Flughafen oder auf unseren anderthalb Stunden nach Tasmanien. Dort angekommen gibt's noch eine erfrischende Nacht im Hostel, bevor es am darauffolgenden Tag auf die Wanderung geht, als wohl definitiv die Unvorbereitetsten. Mit Blick auf Temperaturen von 3 Grad in der Nacht und unsere Picknick-Decke als nächtliche Unterlage, zwei verschiedene Socken und Jogginghose als professionelles Wanderequipment - frei nach dem Motto "Das wird schon alles irgendwie". (:
Wir denken irgendwie mehr über phänomenale Aussichten und grandiose Berge nach.


Jeder Wanderer soll auf der 6-tägigen Wanderstrecke eigentlich von Sonne, Regen, Nebel bis hin zu Schnee alles sehen, was die Meteorologen so zu bieten haben. Deswegen haben wir sogar die Qualitätszelte vom KMart gekauft, die sind sogar doppelwandig und halten bestimmt ganze 11,5 Tage. (:
Aber auch wenn alles dann irgendwann nass, wir völlig am Ende sein sollten und unser Dosenessen schon lange nicht mehr schmecken sollte, wird das dennoch einer unserer abenteuerlichsten und besten Trips, die wir in unserem hoffentlich noch ganz schön langem Leben so angehen werden. Einfach das Zelt irgendwo an den schönsten Stellen aufstellen und, ich hätte es selber nie gedacht, freiwillig und voller Vorfreude wandern. (:

Ab dem nächsten Blogeintrag wird's also wieder ein bisschen spannender, es wird sich ein bisschen weniger um Küchenarbeit und Kellerhistorien drehen und das ist zur Abwechslung auch echt gut so.
Wir freuen uns einfach unglaublich, morgen früh in den Flieger zu steigen und guten Mutes auf die nächsten Wochen zu blicken, in denen wir einfach nur den Rest dieses wunder-, wunderschönen Landes sehen werden.
Man liest sich dann irgendwann in knappen zwei Wochen, sollten wir denn wohlbehalten im großen Melbourne angekommen sein. Mit sämtlichen Gliedmaßen, Gepäckstücken und einer Ecke Lebenserfahrung mehr. (:

Übrigens ist zum ersten Mal seit unserer Ankunft hier vor 6-7 Monaten ist unser Gepäck wieder komplett im Rucksack. Auto verkauft, alles, was wir so haben, besitzen und unser Eigen nennen, steckt in diesem Stück Stoff mit Schnüren. Muss reichen. (:


Gestern noch am Teller spülen,
morgen Freiheitsstimmung fühlen,
durch die hohen Berge streifen,
blöde Wanderlieder pfeifen,
ohne Plan, was auf uns wartet,
wird ab Montag durchgestartet,
so spontan, wie's immer lief,
bislang ging noch nie was schief. (;

Sonntag, 10. März 2013

Von Friseursalons, Klippenbieren und dem 61. Stock

Tag 184 - 190: Vorletzte Woche Sydney

Die mittlerweile schon 27. Woche meines Aufenthaltes im ganz schön südlichen und ganz schön überragendem Land hat sich dem Ende entgegen geneigt und wurde ohne jegliche Anzeichen von Woche 28 verdrängt. Wie auch schon in den letzten Berichten, kann ich auch aus diesen Tagen nicht wirklich mit Highlights vom Herumreisen, Tauchen oder Baden punkten, neben der ein oder anderen Tellerwäscher- und Kellergeschichte wartet dieses Mal jedoch am Ende noch ein hervorragendes Highlight. (:

Und auch wenn man in dieser Woche mal wieder so manch Vorgenommenes nicht wirklich geschafft hat - endlich hab ich's  doch noch geschafft, mich mal mit Madeleine zu treffen. Seit nun ziemlich genau 6-7 Monaten sitzen wir im selben Land, zum Großteil sogar in derselben Stadt und doch haben wir es irgendwie nie hingekriegt. In einer gemütlichen 3$-BierBar konnten wir somit mal ordentlich die alten Geschichten aus der Schulzeit hervorkramen (die Einem mittlerweile echt schon ziemlich alt vorkommen) und unsere Australien-Erlebnisse vergleichen...


Auch wenn mein "rotes" T-Shirt leider verglichen mit Madeleines mittlerweile roter Mähne eher mager abschnitt. (;
Besser "abgeschnitten" wurde dafür in der letzten Woche doch noch ein wenig, ein mobiler Haarschneidesalon von Hostel zu Hostel wäre wohl eine Idee. Mit Benny als absolutem Starfriseur, einer 17$-Haarschneidemaschine und gekühltem Getränkeservice nebenher wäre das wohl der absolute Hit.


Und als ob die Tatsache, dass wir ohne Gerrit nur noch zu dritt wären nicht schon fatal genug wäre, Yannik hat uns die Woche auch noch verlassen - wenn auch nur für ein paar Tage. Der Kerl hat von der Gastronomieagentur einfach mal ein paar bezahlte Tage in den Snowy Mountains bekommen, ein bisschen Teller spülen im schönen Nationalpark. Ein wenig Neid kam schon auf bei Benny und mir, was uns also nur noch ein wenig mehr angespornt hat, ein paar überragende Tage zu verbringen, wenn mal keiner von uns im Restaurant steht.
Dabei kamen uns spektakuläre Augenblicke in den Sinn, die auch prompt in die Tat umgesetzt wurden.
So ist es zum Beispiel recht schwierig hier unten, die Champions League zu verfolgen, um 6:45 kommen die Spiele. Da waren wir förmlich gezwungen, mit netter Musik, Hafenblick und einem Packen Goon auf den Sonnenaufgang zu warten - auf dem hostelnahen Lieblingsfelsen natürlich.a


Um dann mit grenzenlos romantischen Gefühlen ein ganz schön romantisches Real Madrid gewinnen sehen. (:
Neben zahlreichen spaßigen Momenten und Stunden, gab es aber auch wieder manch aufregende Küche zu putzen und reinigen. (:
Spektakulär war ein 2-Tages-Job in einer Rechtsanwaltskanzlei in der City, wer sich noch an die Bilder der Skyline von letzter Woche erinnert, diese wurden aus dem 47. Stock gemacht.
Die Küche der Kanzlei war allerdings noch ein paar Stockwerke höher, selbst mit Ultra-Expresslift und brutal schwankendem Ohrendruck braucht man doch noch recht lange hoch. (:


Um dann in der höchsten Etage von einem der 5 größten Wolkenkratzer Sydneys Teller zu waschen, deliziösesEssen zu verputzen und anschließend ein wenig zu säubern. (:
Und während man von oben Rückenschmerzen beim Runterschauen kriegt, ist die Nackenstarre von unten garantiert.


Nächste Woche gibt's hoffentlich auch ein paar Bilder von dem phänomenalen Blick aus den Panormascheiben, Montag arbeite ich dort nochmal. Ich wollte das nur nicht aufs Spiel setzen, indem ich mich zwischen all den Klienten an die Scheibe stelle und vollkommen unprofessionell herumfotografiere. (:
Am letzten Tag kann mich das ja aber eher weniger stören...
Langsam merkt man nur, wie sich die Zeit hier so langsam dem Ende entgegen neigt, nur noch 40 Tage bleiben uns im schönen Australien, dann geht's auf nach Asien.
Bei einem Preisvergleich von Essen, Aktivitäten und Unterkunft, kann man allerdings doch ein wenig darüber hinwegsehen.
Ich hab mit meiner Freundin schon mal zwei Bungalows auf einer Trauminsel gemietet, beide direkt am Strand, für horrende 7 Euro die Nacht. Der zweite ist mit 16 Euro noch viel unbezahlbarer, dafür allerdings noch um eine Ecke schöner. (:


Wenn man sich mal überlegt, dass man hier für das Hostel mit Kakerlaken in der Küche, nach Goon und Bier stinkenden Keller und viel zu kleinem Zimmer dasselbe bezahlt, ist das doch ein Stückchen lustig. (:

Und zum Abschluss gibt's heute visuelle Freude en masse. (:
Ich hab die letzten Wochen ein Video aus all den tollen Momenten zusammen geschnitten, das nun alle Welt auf youtube ansehen kann. Wer also den ein oder anderen schönen, lustigen oder peinlichen Moment sehen möchte, klickt bitte auf den folgenden Link.

Hier geht's zum Vergnügen. (:

Ansonsten steht hier alles prächtig, heute gab's trotz morgendlicher Demotiviertheit einen Strandtag. Benny war zwar arbeiten, Yannik und ich haben den Tag trotzdem hervorragend genutzt - für mich der schönste Tag, seitdem wir wieder in Sydney sind.
Auch wenn anderthalb Stunden Busfahrt zum Strand ein Stückchen nervig waren, hat es sich mehr als gelohnt, wir haben noch einen schicken Wanderweg entlang der Küste an so manch schönem Strand vorbei genommen. Ein paar kühle Bier und Unmengen an guter Laune haben uns einen klasse Tag verschafft.


Dabei an einer netten Klippe sitzen, über das schier endlose Meer schauen, und sich seines Lebens freuen. Wir haben gefühlte 17-mal festgestellt, wie schön wir es doch gerade so haben - so jung, so frei, an so schönen Orten.


Und genau diese Tatsache lässt uns schon freudig auf die nächsten Wochen schauen, schlecht kann es eigentlich nicht werden. Alles ist gebucht, alles halbwegs vorbereitet, Vorfreude bereits gesteigert, das wird alles schon irgendwie.
Und auch wenn man echt gerne zurückschaut und sich an alles erinnert, der Blick nach vorne ist mindestens genauso grandios. Daher, blickt nach vorne, genießt euer Leben und erklärt mir, warum die Erde eigentlich keine Scheibe ist. (;
Bis nächste Woche!


Wieder grandiose Tage,
super Leute, super Lage,
noch ein wenig Küche putzen,
all die Zeit im Hostel nutzen,
Tolle Woche, toller Strand,
mit Blick auf Klippe, Meer und Sand.

Sonntag, 3. März 2013

Von Promi-Geschirr und halbem Winter auf Tasmanien

Tag 177-183: Im wundervollen Sydney

Die Sonne sticht vom Himmel und will Einen in Sydneys Verkehrschaos, langer Kochhose und Stahlkappenschuhen halb auseinander nehmen. Ein Glück bewirkt eine wohl klimatisierte Küche da wahre Wunder.
Diese Woche wurde wieder mal zu großen Teilen in einer Solchen verbracht, ein paar Tage erneut im College der Reichen, ein bisschen schnippeln, waschen und Müllmann spielen. (:


Um diesen pompösen Südflügel der Schule schuftet übrigens ein 
vollzeitbeschäftigtes 8-köpfiges Gärtnerteam, hervorragende Umgebung. (:
Die Agentur hatte diese Woche aber noch ganz andere Highlights zu bieten, am letzten Wochenende fand hier mit der Soundwave ein gigantisch gutes und gigantisch teures Rockfestival statt, mit Bands wie Metallica, Linkin Park, Blink 182 und Billy Talent.


Ich durfte zwar leider nicht wie Yannik und Benny anderweitig beim Ereignis arbeiten, allerdings das Catering für die Bands am nächsten Morgen unterstützen. Während die netten Herren von Band also im Nebensaal saßen, durfte ich ein paar Stündchen lang deren Teller spülen, mit netten Blick aus der Stadionküche in den Olympic Park hinein.
Gefolgt wurde der schier grenzenlose Spaß noch von Maschinenputz-Fest und dem ein oder anderen Wischmoppspektakel.
Linkin Park mag im Übrigen besonders gern Seafood. (;


Zur Revitalisierung unserer motivierten Arbeitskörper, nagut, ein Stückchen übertrieben vielleicht, hat das Hostel in puncto Auststattung kräftig zugelegt.
Ein netter Einrichtungsgegenstand hat den Wert des Hostelkellers nahezu verdoppelt. Der erste Kicker, den ich hier in Australien gesehen hab. Auch wenn die Punkteanzeige fehlt und der schiefe Kellerboden etwas unpraktisch für das Ballverhalten ist, eine grandiose Verbesserung. (:


Dieses Highlight musste auch promt zelebriert werden, mit einem Mix aus normaler Keller-, Bad Taste- und Flashmob-Party. Während sich zu Beginn einfach nur manch Einer in die abartigsten Klamotten stürzte, folgten irgendwann alle, um zu einem absoluten Internethype völligst auszurasten.
Ein freundliches Video soll in ein paar Tagen auch vom freundlichen Asiaten zusammen geschnitten sein. Hier schon mal ein Ausschnitt, der Bekloppte mit Weihnachtsmannhose und Alarmweste auf dem Tisch bin im Übrigen nicht Ich, der Kerl in Kochklamotten auf der linken Seite ist auch nicht Yannik und der wandelnde Goon-Karton auf dem Kopf bestimmt nicht Benny... (;


So kamen unsere Weihnachtsmann-Klamotten nach langer Tragepause endlich mal wieder zum Einsatz, bevor sie in den Tiefen unseres Rucksacks noch verstauben. (:
Ein denkbar guter Abend, auch wenn uns der Gerrit im Übrigen verlassen hat. Er reist momentan mit seinen Eltern durch den Süden. Der tiefen Traurigkeit über diese Tatsache wurde allerdings schon Aufmunterung versprochen, der Nette kommt mit uns nach Tasmanien, zum Wandertrip.
Solang muss eben manch Anderer die Lücke schließen...


... oder versuchen. (:
Wir haben uns langsam im Übrigen mal ein wenig über Tasmanien informiert - immerhin nachdem wir den Flug schon fest gebucht hatten.
Wird kein ganz günstiger Spaß, nur die Genehmigung für die 82 km lange, 6-tägige Wanderung kostet um die 250 Dollar, allerdings ist die Strecke als eine der "10 schönsten Wanderwege der Welt" ausgezeichnet, muss überragend sein.


Nur ein Blick auf den Wetterbericht vom Startpunkt in den Bergen hat uns etwas abgeschreckt, nachts teilweise um die 3 Grad, wir mit unserem Sommerkostüm im Koffer, ohne Isomatte und ordentliches Zelt sind momentan noch etwas aufgeschmissen. (;
Also wird wohl nochmal der KMart geplündert, wenigstens ein ordentliches Zelt besorgen.
Am Tag dürfen 35 Personen die Wanderung starten, um die Landschaft zu schützen. Zelten darf man überall, an jedem noch so schicken Bergsee oder Tal.
Und auch wenn wir uns so ziemlich gar nicht vorbereitet fühlen, wir spekulieren auf Spontaneität und gutes Wetter - ein Backpacker-Erlebnis der etwas anderen Art wird es wohl auf alle Fälle. (:
Vom 17. - 27. März sind wir also im schönen Tasmanien, danach geht's nach Melbourne.


Melbourne soll auch Einiges zu bieten haben, für echt viele noch viel schöner als Sydney - wir als absolute Sydney-Fans sind da aber noch nicht ganz so überzeugt, dafür muss Melbourne echt viel leisten. (;
Wo's danach hingeht, wissen wir auch noch nicht so genau, wahrscheinlich mieten wir uns ein Auto (wenn wir unser's denn endlich mal bald verkauft kriegen) und sausen die Great Ocean Road entlang, ...


..., velleicht fliegen wir auch direkt zum größten Klumpen Erde dieser Erde, um noch das absolute Nichts, einen riesigen roten Stein und ein paar andere Highlights im Red Center anzuschauen. (:


Was auch immer wir machen, eins steht nur schon fest, am 19. April werde ich mit den (zumindest von der Homepage her) mehr als freundlichen Mitarbeitern von AirAsia nach Bangkok fliegen.
Dort ein paar schöne Stunden am Flughafen verbringen, um dann mit meiner schönen Freundin ein paar schöne Tage zu verbringen. (;
Bis sie im Anschluss wieder ins tiefe Indien zurückkehrt.
Doch bevor all das kommt, haben wir erst mal noch ordentlich Zeit an diesem Flecken Erde übrig, wo auch immer wir sie verbringen werden.
Irgendwas wird uns schon einfallen - einfach mal schauen, wohin uns die Lust und das Geld bringt. (:
Gestern hat uns beides schon mal zur größten Schwulen- und Lesbenparade der Welt gebracht - in Sydney wurde die 35. Mardi Gras Parade gefeiert.


Auch wenn man wir vor Tausenden Menschen in der City nicht wirklich was sehen konnte, war es eine ziemlich spektakuäre Show mit ziemlich spektakulären Leuten, die wahlweise in viel zu verrückten Kostümen bei der Parade dabei waren oder von draußen mitgegrölt haben. (:
Wir haben mit Veronica auch prompt eine nette Bekanntschaft gemacht...


Vielen weiteren Damen mit Adamsapfel sollte ein Rockkonzert in einem Club folgen, alles in allem ein hervorragender Abend. (:
Auch wenn die Stadt leicht überfüllt, die Menschen leicht abgedreht und der Regen nicht wirklich überzeugen konnte.


Trotz einer doch recht kurzen Nacht wurde heute in Windeseile nochmal das ein oder andere tasmanien-betreffende abgeklärt, so ganz unvorbereitet können wir uns dort ja auch nicht blicken lassen. (:
Und zum krönenden Abschluss einer krönungswürdigen Woche haben wir's auch endlich mal geschafft, in die Orbit Bar zu gehen.
Für ein verammt teures Getränk seiner Wahl kriegt man einen unglaublichen Blick über die City, Hafen, Oper und Skyline, wir waren völlig begeistert. (:


Wenn auch das Wetter ein wenig diesig, Harbour Bridge zur Linken, Opera House und Regenbogen zur Rechten und unzählige riesige Gebäude überall aus dem Sofa des 47. Stocks waren hervorragend.
Das 9,50 $ Bier im übrigen auch. (:


Von schönem Regenfall am Tag, bis hin zur Dämmerung und Sonnenuntergang über den Vororten, bis hin zur beleuchteten Skyline - einfach nur grandios. Für jeden, der mal irgendwann nach Sydney kommen sollte, hin da.


Nach einem schicken freien Wochenende mit viel Spaß, Freude und bärtigen Frauen geht es allerdings morgen mit der Arbeit wieder los, mal schauen, wer morgen im Olympic Park auf mich wartet.
Yannik hat diese Woche mit der Agentur unvorstellbares Glück gehabt, er darf die Woche über mit bezahlter Fahrt in die Snowy Mountains fahren, ein paar gute 100 km von hier, aber Teller spülen im wunderschönen Nationalpark.
Somit wären Benny und ich nur noch zu zweit, was soll's, im Hostel gibt's eh unzählige Verrückte, die mehr als sympathisch sind. (:
In diesem Sinne, schicksten Sonntag, kämpft euch durch ein matschiges Deutschland, durch entspannte Semesterferien oder ein hartes Freiwilligenjahr am noch ganz andererereren Ende der Welt. (:
Und welche blöde Prüfung, Aufgabe oder Woche auch vor Euch liegen mag, schaut nach vorne, nicht zurück - und erst recht nicht nach unten. (;


Wie schnell hier die Zeit vergeht,
in der Stadt mit tausend Seiten,
wie es hier kein Mensch versteht,
wohin uns die Dinge leiten,
Stadt mit Buchten, Party, Meer,
wie gern wir doch länger blieben,
tolle Stadt mit tollem Flair,
oh man, wie wir Sydney lieben. (:

Sonntag, 24. Februar 2013

Vom Keller der Freude und 5 Sternen auf der Brust

Tag 170-176: Im herzallerliebsten Sydney

Und herzallerliebst war auch die vergangene Woche hier unten, mit einer Menge Abwasch, einer Menge gutem Essen und den üblichen drei Verdächtigen.
Nicht nur, dass wir uns wieder souverän ans Hostelleben angepasst und eingestellt haben, auch Sydneys Arbeitswelt profitiert wieder enorm von sechs motivierten Händen - die beiden von Gerrit hängen momentan ein wenig faul rum. (;
Während Benny die Gäste eines Cafés mit seiner unglaublichen Freundlichkeit entzückt, schweben Yannik und ich von Küche zu Küche, von Veranstaltung zu Veranstaltung. Die Agentur, bei der wir ja schon vor ein paar Monaten waren, hat wieder gut Arbeit für uns.


Wer sich im Übrigen fragt, warum Meister Propper neben mir so herausgebügelt aussieht, er hat ein paar Tage später mit der Arbeit angefangen - und wer zieht ein paar Küchenhilfen bitte auch weiße Shirts an?1
Somit stecken wir beide wieder regelmäßig in unserer Profiuniform, neben Stahlkappenschuhen, Kochhose und Namenschschildchen weisen ja auch die 5 Sterne auf unserer Brust auf unsere Qualitäten hin. Wenn das weiße Shirt dann auch noch weiß wäre, aber man will ja mal nicht zu viel erwarten. (;
Ich war diese Woche allerdings konstant an einem Ort, ich durfte ein paar Schnöselkinder auf einer katholischen Privat-High School verpflegen. Neben viel zu vielen dreckigen Töpfen und einem großen Haufen lustiger Nepalesen und Engländer in der Küche gab es auch unmenschlich viel Essen.
Ich war eigentlich fast dauerhaft am Kauen, die 500 Jungs an der Schule zahlen schließlich 1800 Dollar im Monat und kriegen daher nur die feinste Mensakost - in der nur minimal pompösen Speisehalle mit minimal genialem Blick auf die City.

Von überbackenem Lachs, Pizza, Shrimps bis hin zu den leckersten Eintöpfen - denk ich an meine Schulzeit zurück hab ich irgendwie etwas tristere Erinnerung an das nette Kantinenessen, keine Kritik an Frau Neumann und Crew. (;


Das ist natürlich nicht wirklich von Nachteil für mich, mir wird so viel Essen hinterher geworfen, dass ich in den knappen zwei Wochen in Sydney noch nicht einmal einkaufen war und abgesehen von einem Spiegelei zum Frühstück noch nie irgendwas gekocht hab, ach und eine Packung Instant Noodles. Aber das war's dann auch - die alltäglichen Ausgaben sind somit auf das Minimum gefallen.
Aber das Geld, dass man dabei wohl spart kann man direkt im Anschluss in eine komplett neue Einkleidung investieren, selbst nach mehrmaligem Waschen mit den hervorragenden Waschmaschinen hier, sahen unsere Sachen teilweise nicht mehr nur partiell schmutzig aus, ein leichter Graufilter hat sich über den gesamten Stoff gelegt, in Kombination mit dem ein oder anderen Loch und so manchem Fleck durchaus galant.
Hier ein kleiner Auszug unser aller Arbeitsklamotten, fast wie neu. (:


Aber während die Waschmaschinen im Hostel eher nicht so überzeugen, sind wir vom gesamten Rest wieder völlig begeistert. Fantastische Leute, fantastisch quietschende Betten, immer noch viel zu wenig Tassen und Geschirr aber dafür laufend gute Stimmung.
Man verbringt eigentlich die Hälfte seiner Lebenszeit hier im Partykeller, gemütlich zwischen einem zusammengewürfelten Einrichtungsset und zahlreichen Betrunkenen - lustig ist's eigentlich immer.


Sogar Jessica gesellt sich ab und an zu unserer Runde. Nachdem sie uns und unser Auto ja doch schon vor einiger Zeit in Townsville verlassen hat, kümmert sie sich jetzt um die Kinder einer Familie aus Sydney. Gestern hat sie sich allerdings mal von ihnen getrennt, um mit uns ein wenig Sydney unsicher zu machen.


Ansonsten sind wir eigentlich relativ viel am Gammeln, wenn mal nicht die Arbeit nach uns ruft. Da wird selbst der aufwändige Akt "Auto ins Internet stellen" zur Tagesaufgabe. Wir hoffen auf jeden Fall, dass wir das gute Stück Metall zu einem hervorragenden Preis verkaufen können. Vielleicht ist es mit 3950 $ momentan noch ein wenig hoch angesetzt, aber die stehen alle zu solchen Preisen drin.


Und wenn das gute Stück dann irgendwann an den nächstbesten (und dann wohl überglücklichen) Backpacker verkauft haben, dann ist's wieder wie am Anfang. Nur vier große Verrückte mit vier noch viel größeren Rücksäcken - kein Auto, in das man all seinen Müll stopfen kann, ganz so leicht geht's uns nicht über's Herz.
Mit Blick auf die nächsten Wochen kann man das dann allerdings doch recht gut verkraften. Wir haben nämlich mal ein wenig angefangen, uns aus dem Tal der Planlosigkeit herauszukämpfen. Nachdem wir hier noch ein paar Wochen Teller gespült, Pfannen geschrubbt und Tomaten geschnippelt haben, geht's am 17. März mit dem Flieger nach Launceston auf Tasmanien, diese riesige Insel im Süden Australiens.
Dahin, wo alles nochmal eine Ecke anders ist, als im Rest Australiens. Riesige Berge, Klippen und Strände - und wie überall - kaum Menschen.


Dort werden wir genau zehn Tage bleiben, sechs davon auf dem Overland Track. Das ist ein Wanderweg, 82 km über die Insel, wir freuen uns in Übermaßen drauf. Ist einfach nochmal was völlig Anderes, mit dem Rucksack durch die Berge streifen, an Bergseen campen und sowas von sportlich aktiv zu sein. Das wird auch nochmal ein hervorragender Abschluss mit dem reizenden Gerrit, der sich dann schon bald nach Asien weitermacht.
Wenigstens das haben wir jetzt schon mal gebucht, um Melbourne, Ayers Rock und noch mehr Spaß kümmern wir uns wohl die Woche.
Solange spülen wir fleißig, trinken fleißig Goon und versuchen uns in unserem Zimmerchaos zurecht zu finden.
Wie auch immer alles letztendlich kommen mag, wir freuen uns drauf. Tierisch. (:
Fröhlichen Sonntag ins verschneite Deutschland oder in welcher Ferne du dich auch immer gerade befinden magst.


Topf und Tiegel voller Dreck,
fleißig putzen wir es weg,
Vorratsraum und Lager leer,
wir bringen den Nachschub her,
sind noch eifrig ein paar Tage,
danach ändert sich die Lage,
einfach schlafen, lümmeln, reisen,
den Alltag in die Schranken weisen,
Egal ob Berg, ob Stadt, ob Meer,
eins ist gleich - wir freun' uns sehr. (:

Samstag, 16. Februar 2013

Ein Hauch von Nichts vs. Big City Life

Tag 161: Babinda – Clermont

Der Abschied rückte näher, so wirklich leicht war's für uns nicht.
Diese nette Hütte ist uns in den letzten Wochen zum richtigen zu Hause geworden, eigentlich auch nicht schwierig, so wie wir uns im Innern ausgebreitet und eingerichtet haben.
Aber auch dieser schöne Abschnitt unserer Zeit hier sollte ein Ende nehmen, hinfort vom Badefluss, den Mangos, von einigen verrückten Asiaten, der mehr als gemütlichen WG und den Schlangen im Gebüsch. (:


Der Grund unserer Abreise war aber im Vergleich zu den letzten Wochen denkbar unspektakulär, was wohl auch ein wenig an der Reiseroute lag – während wir bis zur endgültigen Ankunft in Cairns ungefähr dreieinhalb Monate für die gesamte Ostküste gebraucht haben, mussten wir nun die gesamte Strecke in drei Tagen abklappern. Um das möglich zu machen, ging der Weg diesmal hauptsächlich durchs Inland, mal wieder mit abgeschraubten Nummernschildern und mit Sondergenehmigung anstatt Registrierungsaufkleber in der Frontscheibe. Das alles direkt über unserem grinsenden Totenkopf auf der Motorhaube. Wir also durch die auffällige Erscheinung schon auf zahleiche Polizeikontrollen eingestellt, die sich hier mit diesen Spezialgenehmigungen auch nicht so genau auskennen. Nach den ersten Minuten auf den Inlandsstraßen allerdings war uns schon recht klar: Wenn hier überhaupt mal ein Auto entgegenkommt, dann bestimmt keine Polizei.


Dass man doch so schnell ins Outback kommt, hätten wir auch nicht gedacht, dieser große Hauch von Nichts um uns herum gab uns allerdings endgültig die Bestätigung, im Nirgendwo angekommen zu sein. Keine Kurve, geschweige denn ein Ende der Straße in Sicht, abgesehen von dem ein oder anderen Seitenstreifen rein gar nichts neben der Fahrbahn, mit etwas Glück mal ein paar Bäume oder ein paar der unzähligen toten Kängurus – und die, die noch fröhlich durch die Gegend hüpften, schienen sich auch alle mithilfe irgendwelcher Stoßstangen zu Tode springen zu wollen.
Ganz selten mal ein anderes Auto, ein Knick in der Straße oder ein auf irgendetwas hinweisendes Schild – das Einzige, was Einem dort draußen mitgeteilt wurde, war, wie weit doch das nächste minimale Fleckchen Zivilisation entfernt war.


Erster Übernachtungsstopp sollte im beschaulichen Clermont liegen, in welchem wir nach guten neun Stunden Fahrt auch endlich mal ankamen. Auf dem Parkplatz der Tankstelle eines winzigen Örtchens, auf dem flächendeckend ein angenehmer Güllegeruch umherzog.
Seit Ewigkeiten mal wieder Zelte aufbauen, auf Gaskochern kochen und sich wieder dem Campingleben hinwenden, bei dem man ungefähr dreimal so lang für Lebenserhaltungsaßnahmen braucht, wie in der eigenen Hütte im Regenwald. Vielleicht war es der Geruch nach frischem Tierkot, vielleicht auch die vielen Mücken, die diese Nacht auch beiweitem nicht so angenehm gestalteten, wie wir es aus der letzten Zeit kannten.

Tag 162: Clermont – St George

Recht früh musste es also schon weitergehen, weg von Gülle- und Benzingeruch, Richtung Süden sausend. Dabei laufend durch neue Vegetationszonen, mal ist man komplett von der australischen roten Erde umgeben, mal mischen sich ein paar Gräser und Bäume ins Landschaftsbild ein, um sich später wieder zur trockenen Einöde zu wandeln.
Selbst die „Raststätten“, die sich einem unterwegs so anbieten, enttarnen sich eher als verlassene Aboriginie-Lager, zwei Strohhütten, ein Feuerkreis und ein neunzehnjähriger Mitsubishi Pajero, dem wir ab und an auch mal eine Pause gönnen mussten bei all den Kilometern.


Aber schließlich mussten insgesamt rund 2400 km geschafft werden, also warteten auch nach einer vitalisierenden Pause in trockener, brütender Hitze noch ein paar frische Stunden Fahrt im Auto, in dem leider nur die Fenster als Klimaregulation dienen können.
Aber solang das Radio noch funktionierte, die Fensterkurbel noch kurbelten und die Getränke in trinkbaren Temperaturen blieben, war ja alles schön.
Und endlich bekamen wir auch mal was von den ganzen Katastrophen hier unten mit – fährt man doch gerade noch durch eins der abgebrannten Gebiete, zeltet man im Anschluss im Überflutungsgebiet. (:


Tag 163: St George – Gosford

Schleppend ging es weiter, schleppend geht’s hier allgemein voran. Da hat man schon gut Strecke zu schaffen und darf dennoch in den meisten Gebieten nur 100 km/h fahren, mit ganz viel Glück sind auch mal 110 erlaubt. Man kommt also so ziemlich gar nicht voran. Da macht dann so manches Weghindernis auch nicht mehr viel aus.
Unser Vehikel bekam wenigstens eine ordentliche Wäsche vom Outback-Staub, die ein oder andere Straße war ziemlich überflutet. Dieser endlose, eintönige Pfad durch die Pampa wurde somit immerhin mal von einem Wandel im Landschaftsbild geprägt.




Und nach und nach wollte uns das Land auch ein wenig darauf hinweisen, dass wir auf der Weltkarte eine ganze Ecke Richtung Süden gefallen sind. (:
Wir werden uns wohl auf ewig an diesen historischen Moment zurückerinnern, der Tag, an dem wir uns seit ziemlich genau Anfang unseres Roadtrips vor um die 3 Monaten ein wahlweise zerknittertes oder dreckiges Oberteil angezogen haben, weil es ein wenig frisch wurde.
Das Wetter in Sydney kann man zwar beim besten Willen nicht kühl nennen, aber wir waren ein wenig an tropisches Regenwaldwetter gewöhnt. (:
Der Abstand zwischen den Kleinstdörfern wurde kleiner, die Straßen kurvig, der Uhrzeiger wanderte ein Stündchen voraus und auch ein freundlicher Regenbogen hieß uns herzlich im Raum Sydney willkommen.



Eine Nacht gab's jedoch noch am Highway, bevor wir wieder nach Hause kamen.


Tag 164 - 169: Im wunderschönen Sydney


Und es war echt wie "Nach Hause Kommen", wir haben uns direkt wieder sowas von heimisch gefühlt, auch wenn wir gerade mal drei Monate unseres kargen Lebens hier verbracht haben. (:

Dieselben Straßen, dasselbe Hostel, teilweise sogar noch dieselben Menschen, mit denen wir schon vor ein paar Monaten unglaublichen Spaß hatten. Alles bestens wie eh und je.



Und nicht nur, dass alles weiterhin wunderschön ist, wunderschöne Ereignisse sollten auch diese ersten Tage zurück in Sydney abspielen. Gleich am ersten Tag ging's mit unserer Erlaubnis der Regierung zum Mechaniker. Wer sich noch erinnert, im Bundesstaat Queensland wurde unser Auto als ein fahrender Haufen Schrott abgestempelt, Schäden überall, um die 3000 Dollar Reparaturkosten.  Wir kamen also mit etwas mehr Hoffnung zum Mechaniker in New South Wales und trauten unseren Augen selbst kaum.

Innerhalb von 5 Minuten ist der nette Herr einmal ums Auto gelaufen, hat einen Blick in die Motorhaube geworfen, zehn Meter auf die Straße zum Bremstest gefahren und gekonnt unseren quietschenden Keilriemen ignoriert. (:
Anschließend hat er uns mit einem positiven "Brilliant!" den Sicherheitscheck in die Hand gedrückt, viel zu irreal für unsere beschränkten Geister. So krasse Unterschiede kann es doch nicht geben.
Egal, lest aus diesen freudigen (und zugegebenermaßen auch ziemlich blöden) Gesichtern ab, wie sehr wir uns über diesen Triumph freuten. (:



Erfolge wie diese mussten wir natürlich in den letzten Tagen gebührend feiern, das Hostel hat sich kaum verändert, immer viel los, wahrscheinlich mehr Goon- als Trinkwasserverbrauch und viele nette Menschen.

Die Arbeit hat für mich wieder angefangen, dieses Mal allerdings in viel angenehmerer Art und Weise. Keine 70-Stunden-Wochen, kein heftiger Stress, ich bin momentan einfach wieder bei der Küchenhilfenagentur, die mit von Zeit zu Zeit gut bezahlte Jobs liefert.
Bislang war ich ein wenig Champagnergläser an einer Highschool spülen und in der Casino-Küche, in der ich schon zu Beginn des Jahres häufig gearbeitet hab - alles gut also, ein bisschen Geld verdienen nebenher, ohne aber haufenweise Freizeit für spaßigere Dinge als Teller spülen zu verpassen.
Die man zum Beispiel in unserem Zimmer verbringen könnte - wäre es nicht völlig zugestellt, 6 Betten auf viel zu engem Raum, keine Ablage oder irgendwas.
Auf dem Bild sieht man auch eher noch den "aufgeräumtesten Teil". Ich lieg' momentan zwischen ein bisschen Mayonnaise, dreckigen Arbeitsklamotten und ein bisschen Popcorn in meinem Bett, saugemütlich.



Zeit für eine Zwischenbilanz - selber Ort, zusammen mit denselben drei Verrückten und doch ist alles irgendwie anders... Wir haben soeben eine Rarität gefunden, gerade mal dreieinhalb Monate alt und doch so verjährt.




So ganz erkennen wir die vier auch nicht wieder, so gänzlich frisch rasiert, mit Köpfen voller Haare, mit Hose und Oberteil und völlig herausgebügelt. (:

Die letzten Monate haben das alles doch eine Ecke gewandelt, was vielleicht auch daran liegen könnte, das beinahe all unsere Sachen löchrig oder einfach völlig dreckig sind - mittlerweile unwaschbar.
Aber wir haben einfach so viel dazugelernt, so viele paradiesische und wunderschöne Orte gesehen, so viel Hornhaut an den Händen bekommen, so viele Mangos gegessen, so viele Unterhosen zerstört und vor allem sind wir so unfassbar entspannt geworden.
Ganz getreu dem Lebensmotto der Australier - "No worries, mate." (;



Im weiten Nichts ein Streifen Teer,

so viel Land und doch so leer,
stupide Richtung gradeaus,
ohne Ampeln oder Staus,
jetzt der volle Gegensatz,
so viel Stadt, so wenig Platz,
Wolkenkratzer, Menschenmengen,
die in Bus und Bahn rumhängen,
ob große Stadt, ob Einsamkeit,
was 'ne grandiose Zeit. (: